Jinzun | Teil 2 | Wo die Wellen unseren Alltag bestimmten

Jinzun | 25. März – 22. April 2020

Jinzun ist der perfekte Ort zum Surfen. Wirklich. Gerade für uns als Gelegenheits-Surfer hat es hier zwei geniale Spots gleich um die Ecke.

Der berühmte Jinzun Harbour ist wohl der beste Surfspot von ganz Taiwan. Der Untergrund besteht vor allem aus Steinen. Das ist der Grund dafür, dass die Wellen fast immer am gleichen Ort brechen. So können wir uns praktisch immer auf die schöne Righthander-Welle verlassen. Die Welle bricht also vom Meer aus gesehen nach rechts und kann so bis zu 50 m lang gesurft werden. Das kannten wir zuvor nicht von unseren Surftrips in Frankreich. Dort ähnelt das Meer eher einer Waschmaschine. Doch hier fühlten wir uns gleich wie im Surfer Paradies.

Da alles mit Steinen übersäht ist, ist das Rein- und Rausgehen aus dem Meer eine echte „Massage“ für die Füsse. Zum Glück sind die vielen Steine vom Wasser abgeschliffen und daher meistens rund. Schnitte an den Füssen gehören hier aber trotzdem zur Tagesordnung. Das nimmt man für diese tollen Wellen aber gerne in Kauf. 😉

Die ersten paar Tage entschieden wir uns jedoch nicht für diesen Spot. Denn erstens waren die Wellen gerade ziemlich hoch. Und zweitens hätten wir uns den Spot immer mit 30 anderen Personen teilen müssen. Ja, das ist die Schattenseite einer konstanten Welle. Das zieht natürlich viele Surfer aus der Region (und von ausserhalb) an. Den „Kampf um die Wellen“ im Wasser trauten wir uns noch nicht zu. Wir wollten zuerst wieder ein paar Erfahrungen sammeln. Schliesslich liegt der letzte Surfurlaub auch schon wieder drei Jahre zurück.

Der zweite Spot in Jinzun liegt gleich hinter dem Hafen versteckt am Strand von Jinzun. Hier sind die Wellen immer etwas kleiner als vorne beim Hafen. Man kann auf Sand ins Meer laufen. Erst später startet der steinige Part und lässt auch hier die Welle praktisch immer am selben Ort brechen. Luxus. Perfekt zum Üben.

Denn beim Surfen ist es wirklich so: Übung macht den Meister. Es gibt so viele verschiedene Faktoren, die darüber entscheiden, ob man eine Welle erwischt oder nicht.

  • Die eigene Position auf dem Board
  • Die Position im Wasser bzw. in der Welle
  • Das Tempo, das man durch das Paddeln erreicht
  • Das Tempo der Welle, also wie schnell sie bricht
  • Die Grösse und Kraft der Welle
  • Die Richtung der Welle, in der sie bricht
  • Die Windverhältnisse
  • Die anderen Leute im Wasser

Das setzt voraus, dass man die Wellen „lesen“ kann. Ist diese Welle bereits steil genug, damit sie mich mitnimmt? An welcher Position muss ich sein, damit ich die Welle ideal surfen kann? Wie viel Tempo muss ich aufbauen? Wann muss ich aufstehen? Ist jemand anderes in einer besseren Position als ich? Oder sitzt jemand anderes in meiner „Fahrbahn“?

Die ersten paar Tage im Meer waren ziemlich hart. Uns fehlte die Übung, die Kraft in den Armen und auch das „Wellen-Lesen“ hatten wir in der surflosen Zeit verlernt. So plagte uns natürlich in den ersten Tagen ein besonders fieser Muskelkater. Da spürten wir Muskelkater an Stellen, wo wir gar nicht wussten, dass wir dort überhaupt mit Muskeln ausgestattet sind. 😂

Wir hatten das Glück, dass wir zwei so tolle Surfspots vor der Haustüre hatten. So gab es immer irgendetwas zu surfen, egal ob Ebbe oder Flut, kleine oder grosse Wellen, mit Wind oder ohne. Nach ein paar Minuten im Meer hatte man den Muskelkater vergessen. Und spätestens bei der nächsten erfolgreichen Welle wusste man, warum man diese Strapazen auf sich nimmt.

Unser Surferalltag

Wer surft weiss: Morgenstund hat Gold im Mund. Auch hier in Jinzun lohnt es sich früh aufzustehen, um die besten Wellen abzustauben. Denn meistens setzt hier spätestens mittags der Wind ein. Der Wind beeinflusst die Wellen. Diese brechen schneller, sind unberechenbarer und das Meer kann zur Waschmaschine werden. Und ab 7.00 Uhr teilt man sich das Meer bei guten Konditionen mit mind. 15 anderen Leuten.

Daher klingelte bei uns der Wecker jeweils um 5.30 Uhr. Oder sogar früher.

Nach einem kleinen Snack (Banane, getrocknete Früchte oder − wer hätte es gedacht − Toast) hüpften wir in Badehose und Bikini, schmierten noch etwas Sonnencreme ins Gesicht und dann konnte es bereits losgehen. Rechtzeitig für den Sonnenaufgang.

Das Meer hier hat eine unglaublich angenehme Temperatur. Es ist gefühlt etwa so warm, wie der Sarnersee im Sommer. Trotzdem konnte es beim anfänglich grauen, windigen Wetter nach einiger Zeit auf dem Meer ziemlich „frisch“ werden. Ich als „Gfrörli“ habe mir daher ein Neopren-Oberteil im lokalen Surfshop gekauft. Die Beine baumeln ja im Meer und bleiben so schön warm, da braucht es keine „Extra-Schicht“. Wenn jedoch die Sonne scheint, ist es schnell mal zu warm im Neopren. Da greifen wir zum Lycra-Shirt, damit wir das Meer nicht wie eine Tomate verlassen. 😂

Eine Welle nach der anderen versuchten wir unsere Surfskills auf Vordermann zu bringen. Die Freude war riesig, wenn wieder einmal eine besonders coole Welle gesurft wurde. So können wir uns auch gegenseitig pushen, Tipps und Ratschläge geben. Beispielsweise hatte Remo schnell ein sehr gutes Auge für die richtige Position in den Wellen. Da konnte er mir einiges beibringen.

Auch wenn es noch so cool ist: Irgendwann ist die Luft raus. Die Arme brennen. Der Durst und Hunger meldet sich. Es kam zwar oft vor, dass wir sagten „noch eine Welle“, woraus dann schliesslich drei Wellen und eine zusätzliche halbe Stunde im Wasser wurden. Nach einer besonders coolen Welle zieht es einem wie magisch wieder raus ins Line-Up. 😅

Nach ca. 2-3 Stunden verliessen wir meistens das Meer, um uns eine wohlverdiente Dusche und ein leckeres Frühstück zu gönnen. Spätestens nach dem Essen waren wir dann meistens K.O. Daher gönnten wir uns einen Vormittags-Schläfchen oder ein paar erholsame Minuten in der Hängematte.

Den restlichen Vormittag verbrachten wir jeweils beim Lesen, Videos schauen, Gegend erkundigen oder arbeiten. Ich darf hier ja weiterhin stundenweise für meinen Arbeitgeber iTrust AG arbeiten. Beim Schreiben von Blogs oder der Vorbereitung von Social-Media-Posts darf ich meine Kreativität rund um das Thema „digital erfolgreicher arbeiten“ ausleben.

Interessiert? 👉🏼 www.iTrust.ch/blog und www.linkedin.com/company/iTrust 😉)

Nach einem Nudeltopf oder einem Reissalat ging’s dann meistens nochmals ab ins Meer: Die zweite Surfsession rufte. Entweder nachmittags oder dann im späteren Nachmittag. Gegen Abend füllte sich dann das Meer, da viele Einheimische wohl nach der Arbeit auch noch einen kurzen Abstecher ins Meer machten. Es kam öfters vor, dass wir die Wellen mit 20-30 anderen Surfen teilen mussten. Aber abends ist es besonders schön im Meer − diese Stimmung ist einzigartig.

Wie wir uns in den Wellen geschlagen haben? Immer besser.

Natürlich haben wir die besten Wellen nicht auf Video. Denn wir beide konnten es jeweils kaum erwarten, ins Meer zu springen. Da war die Motivation relativ klein, „draussen“ mit der Kamera zu warten, während die schönsten Wellen reinrollten. Hier ein paar Eindrücke. 😉

Das „andere“ Surfen

Stand Up Paddeln kennen wir ja auch in der Schweiz. Auf dem See, wo das Wasser spiegelglatt vor sich hin plätschert. Und bereits da, ist es auf dem SUP jedes Mal ein Balance-Akt. Doch hier wird sogar auf dem Meer gepaddelt, was das Zeug hält. In einer Woche hatte es besonders viele SUPler im Meer. Am Wochenende wussten wir warum: Es fand eine SUP-Surfing-Competition direkt vor unserer Haustüre statt.

Coole Atmosphäre, coole Musik, coole Wellenritte. So ging die SUP-Competition über die Bühne. Wir waren immer wieder erstaunt, wie stabil diese Männer und Frauen auf ihren SUPs durchs Meer „rasten“.

Surfing, surfing, surfing − und in die Kultur eintauchen

Ja, das Surffieber hatte uns gepackt. Darum legten wir unseren Alltag auf die Wellen aus. Doch die Wellen sind ja bekanntlich nicht immer konstant. Und auch wir sind nicht mehr 20. Das gaben uns unsere Körper doch auch zu spüren. So gönnten wir uns auch ab und zu einen „surffreien“ Tag und machten uns auf Entdeckungsreise rund um Jinzun.

Warum wir dabei fast von einem Stier angegriffen wurden und welche Eindrücke wir im Aboriginal-Dorf der Amis sammeln durften, erfahrt ihr im nächsten Blogbeitrag.

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