Jinzun | Teil 3 | Wo wir in Taiwan’s Kultur und Kulinarik eintauchten

Jinzun | 25. März – 22. April 2020

Die Gegend rund um Jinzun hat natürlich mehr zu bieten als nur super Surfspots. Donghe ist zwar nicht gerade DIE Tourizone mit extrem vielen Sehenswürdigkeiten. Jedoch findet man hier anscheinend die besten Steamed Buns der Insel. Und das muss wirklich so sein. Denn am Wochenende stehen die Leute oft in Schlangen vor dem kleinen Shop.

Wir haben diese Buns, die wir auch gerne Riesen-Dumplings nennen, auch schon versucht, waren aber nicht unbedingt beeindruckt. Wahrscheinlich lag es aber an unserer Wahl. Da hinter uns bereits weitere zehn Personen darauf warteten zu bestellen, konnten wir uns bei der Auswahl nicht wirklich Zeit lassen und haben schlussendlich einfach auf irgendeinen Bun gezeigt. Remo erwischte einen Bun mit einer klebrigen Mochi-Masse. Ich einen mit Erdnuss-Stückchen und Sesam. Dieser war so trocken, dass ich den Bun nur mit reichlich Flüssigem runterkriegte. Mal schauen, ob wir dem Bun-Shop nochmals eine Chance geben werden. 😉

Zurück zu den Sehenswürdigkeiten. Dazu zählt unter anderem auch die Donghe Bridge. Eine Brücke paralell zur offiziellen Highway-Brücke, auf welcher diverse künstlerische Sitzgelegenheiten darauf warten, getestet zu werden.

Wir machten uns auf, das Bachbett und die Gegend rund um diesen „Rivermouth“ genauer anzuschauen. Dabei folgten wir einem kleinen Weg, der dem Bachufer folgte. Mit Flipflops war das doch eine ziemliche „Rutschpartie“, denn der Weg war voller Matsch. Auf unsere Schritte fokussiert bemerkten wir so zuerst gar nicht, dass neben uns ein paar Kühe im Gras weideten. Plötzlich schnaubte etwas ziemlich laut und wir sahen, dass dies nicht nur Kühe waren. Auch ein Stier war darunter. Er und die Mutterkuh beobachteten uns misstrauisch.

So unauffällig wie möglich entfernten wir uns von der „Herde“ und hofften, nicht plötzlich zwei riesige Hörner im Rücken zu spüren. 😅

Der Weg führte immer mehr in den Wald. Plötzlich „hüpfte“ es rund um unsere Füsse. Mini-Frösche überquerten hier den Spazierweg. Härzig.

Auf dem Rückweg zum Roller mussten wir nochmals an der Herde vorbei. So schnell wie möglich und so langsam wie nötig passierten wir die Herde. Remo hatte sich sicherheitshalben einen Stock besorgt. Ein wahrer Held, wie er bereit war, mich zu beschützen. 😍

Auf ins Aboriginal-Dorf der Amis

Etwa 10 Minuten Rollerfahrt von Jinzun liegt das Amis Folk Center. Dort findet täglich um 14.00 Uhr eine kleine Show statt. Die Amis sind mit 200’000 Angehörigen der grösste indigene Stamm in Taiwan. Die Leute leben in einfachen Verhältnissen und sind sehr stark mit der Natur verbunden.

Wir hatten Glück, dass sich noch fünf weitere Personen die Show ansehen wollten. Denn diese findet erst ab 10 Personen statt. Corona lässt wieder mal grüssen.

Gleich zu Beginn wurde eine grosse Kanone gezündet. Der Knall war erschreckend laut, aber sehr eindrücklich. Dann ging die Show auf der Bühne weiter. Wir hörten musikalische Darbietungen vom Feinsten. Dazwischen erzählte eine aufgestellte, junge Frau von Amis-Traditionen und Bräuchen. Zum Glück hatten wir Lee, ein cooler Typ aus Taipeh, als Übersetzer dabei, denn die Show war nur auf Chinesisch.

Da wir im kleinen Kreise waren, machte die junge Amis-Frau immer mal wieder eine Pause, damit Lee Zeit hatte, uns das Gesagte zu übersetzen. Und so verstanden wir dann auch, warum die anderen zuvor gelacht oder „oh“ und „ah“ gerufen hatten. 😄

Wir waren beeindruckt von den vielen unterschiedlichen Instrumenten, die vorgestellt wurden. Alle hatten etwas gemeinsam: Die Materialien kommen alle aus der Natur und gehen auch wieder zurück in die Natur.

Ja, ihr habt richtig gesehen. Der Mann spielt die Flöte mit seiner Nase. Klingt super, oder?

Die junge Amis-Frau stellte uns dann ein besonders wichtiges Instrument vor. Dazu gibt es eine langjährige Tradition: Wenn sich ein Amis-Junge in ein Amis-Mädchen verliebt, dann spielt er draussen vor ihrem Haus auf diesem Instrument. Falls das Mädchen die Tür öffnet, darf der Junge mit dem Mädchen ausgehen. Öffnet jedoch die Mutter die Tür, hat der Junge leider Pech gehabt.

Die farbige Kleidung ist ein Wiedererkennungswert der Amis. Und alle Amis tragen stets ihre kleine Tasche bei sich, die meist ihre Grossmutter für sie genäht hat oder die sie von einem Vorfahren geerbt hatten. So werden diese Taschen von Generation zu Generation weitergegeben.

Wie oft die Kinder wohl bereits bei dieser Show dabei sein „mussten“? Der Mimik der Kinder zufolge schien die Show nichts Spezielles mehr für sie zu sein. Halt ein Programmpunkt auf der Tagesordnung. 😂

Die Show war wirklich gut und hat uns einen Einblick in eine andere Kultur ermöglicht. Nebst der Show konnte man sich noch in 2-3 Hütten umsehen. Auch konnte man den Amis beim Flechten und „Basteln“ zusehen. Wir sahen uns noch kurz um und gingen dann zurück zum Roller. Dort wurden wir von diesem Bild begrüsst.

Da wir bereits auf halben Weg nach Chenggong, dem nächst grösseren Dorf, waren, wollten wir noch kurz dort einkaufen gehen. Doch der kleine Kleffer wollte uns einfach nicht gehen lassen. Immer wieder sprang er wagemutig vor das Vorderrad unseres Rollers. Das Szenario wiederholte sich einige Male, bis Fiona den Hund mit einer Streicheleinheit ablenken konnte. Im Nachhinein erfuhren wir, dass der Hund dann auch bei ihnen die gleiche Show abzog, bis dann endlich das Herrchen vorbeikam und abpfiff. 😂

Chenggong − Das benachbarte Fischerdorf

Chenggong liegt etwa 25 Minuten von Donghe entfernt. Und bereits die Fahrt dorthin ist ein Erlebnis. Wir passierten Reis-, Ananas- und Sonnenblumenfelder, Mangoplantagen, kleine Dörfchen mit farbigen Häuschen und schöne Kirchen und Tempel.

In Chenggong erwartete uns eine grosse Einkaufsstrasse mit einer Bäckerei (immer unser erster Stop), diversen Getränkeshops, 7-Eleven, Familiy-Mart, kleinen Frühstücksshops, Märkten, einem Telekommunikationsanbieter, Handyshops und und und.

Hier befindet sich auch der nächst grössere Supermarkt. Denn in Donghe selber gibt es nur den eher „teureren“ 7-Eleven, einen kleinen Gemüsehändler und einen einfach bestückten Einkaufsladen, der aber keine Frischprodukte verkauft. Darum genossen wir es sichtlich, wieder einmal in einem Laden mit etwas mehr Auswahl einzukaufen.

Chenggong ist aber vor allem bekannt für seinen Fischerhafen. Dort finden täglich nachmittags Fischauktionen statt. Wann genau, wussten wir nicht. Als wir ankamen, waren die Fischer immer noch am Abladen ihrer Fänge. Wow, eindrücklich, was wir da zu sehen kriegten.

Uns begegneten ein paar Leute, die voller Selbstverständlichkeit halbmetrige Fische unter den Armen trugen. Eine Frau fuhr auf dem Roller an uns vorbei − zwischen ihren Füssen einen 1.5 metrigen Schwertfisch, der auf beiden Seiten des Rollers locker einen halben Meter rausschaute. Das gehört hier wohl zur Tagesordnung. 😂

Von Reis, Nudeln und Suppen

Das Paddeln im Wasser macht hungrig. Vor allem nach der zweiten Surfsession freuten wir uns dann besonders auf ein reichhaltiges Abendessen.

Zu Beginn haben wir viel selber gekocht, meistens Gemüse mit Reis oder Pasta. Sehr oft mit einer Curry-Sauce. So oft, dass Remo das Curry schon fast aus den Ohren gehangen ist. 😂

Hier gibt es Gemüse, dass wir in der Schweiz nicht kennen. Das wollten wir testen. Also kauften wir ein weisses, gurkengrosses Gemüse mit einer lustigen, bubble-mässigen Schale. Keine Ahnung, was das war. Wir schätzten etwas zwischen einem Kürbis und einem Kohlrabi. Zuversichtlich schnitten wir das Gemüse und kochten es zusammen mit Karotten und Kartoffeln. In einer Curry-Sauce. 😜

Zum Glück hatten wir das Gemüse nicht in zu kleine Stücke geschnitten. Denn die Stückchen waren so bitter, dass wir sie kaum runter kriegten. So fischten wir enttäuscht alle Stückchen aus unseren Schälchen. Eieiei, was für ein Reinfall. Das Kochen überlassen wir wohl besser den Profis.

Das war auch einer der Gründe, warum wir dann öfters auswärts essen gingen. Das taiwanesische Essen − „richtig“ zubereitet − ist einfach so lecker. Und wir mussten feststellen, dass es eigentlich auch günstiger war, auswärts zu essen als selber zu kochen. Denn hier zahlt man für ein Abendessen in einem lokalen Restaurant, z. B. Reis mit Fleisch und Gemüse, zwischen 60 und 90 TWD, also CHF 2-3. Auch wenn man noch ein Getränk dazu bestellte, kam man selten über CHF 4 pro Person.

Nebst den traditionellen, lokalen Restaurant mit Reis, Nudeln, Suppen und Dumplings gibt es in Donghe aber auch ein paar „exklusivere“ Restaurants. Dort kann man sich für CHF 8 pro Person einen Burger mit Pommes oder einen Teller mit leckerem Jerk Chicken Barbecue gönnen. Ist schon lustig, wie schnell man umdenkt und fast ein schlechtes Gewissen hat, wenn man ins teurere Restaurant geht. Obwohl diese Preise in keinem Verhältnis mit unseren Schweizer Preisen stehen.

Jinzun’s Dumpling Fabrik

Wer unseren Beitrag von Jiufen gelesen hat, weiss, dass wir grosse Fans von Dumplings geworden sind. Das hatte auch Lee mitbekommen. Lee, „unser“ Übersetzer aus Taipeh, der etwas mehr als eine Woche mit uns im Surf House verweilte. Er war es auch, der uns sehr viel über die taiwanesische (Ess-)Kultur beigebracht hatte.

Da er schon lange einmal selber Dumplings machen wollte, organisierte er kurzer Hand einen „Dumpling-Plausch“ für uns.

Das war ein Spass. Und auch ein Kampf. Ein Kampf um den „Schönste Dumpling“ von Jinzun. Gewinnerin war Fiona, die mit ihren schön geformten Dumplings alle neidisch machte.

Nach einem kurzen Bad im heissen Salzwasser waren die Dumplings bereits „essfertig“. Hmmm lecker. Wir assen einen Dumpling nach dem anderen, bis wir fast kugelrund waren. Was für ein gelungener Exkurs in die taiwanesische Küche.

Von Taiwan’s Geschichte und neuen Freundschaften

Wir durften in Jinzun so viele tolle Leute kennen lernen. Unter Gleichgesinnten, ob auswärtige oder einheimische, erfuhren wir so viele spannende Informationen über diese wundervolle Insel Taiwan.

Wieso Taiwan’s Bevölkerung eigentlich zweigeteilt ist und welche spannenden Begegnungen wir im Surf House machen durften, erfahrt ihr im nächsten Beitrag.

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