Shei-Pa National Park | Teil 2 | Wo wir dem Himmel ganz nah waren

Shei-Pa National Park | 22. – 25. Juni 2020

Die Nacht in der engen, unbeheizten Hütte mit mehreren Schnarchnasen war erholsamer als gedacht. Dank sei «Ohropax». Der zweite Tag unseres Wander-Abenteuers konnte kommen.

2. Tag | Xinda Hütte – Mt. Pintian – Taoshan Hütte

Als uns unser Handy um 4.00 Uhr weckte, raschelte es bereits in einigen Schlafsäcken um uns herum. Etliche Wanderer bereiteten sich für den neuen Tag vor und zündeten mit ihren Stirnlampen teilweise etwas erbarmungslos in unsere verschlafenen Gesichter.

Auch wenn das Aufstehen zäh war, machte sich unsere Jinzun-Crew guten Mutes auf die Wanderung zum Mt. Pintian, der höchste Gipfel unserer Tour. Im Sonnenaufgang wandern ist herrlich und die Stimmung einmalig.

Und dann mussten wir über uns hinauswachsen. Vor allem Remo mit seiner leichten Höhenangst. Denn die letzte Passage zum Gipfel hatte es in sich. Zuerst ging es etwa 50 Meter «das Loch ab». Zwar waren etliche Seile befestigt, an denen man sich festhalten konnte. Wandern war das aber nicht mehr. Wir kletterten die Felswand runter. Unten angekommen, waren wir froh, dass wir die Wand zuvor nicht von unten gesehen hatten. Von hier sah sie noch «gfürchiger» aus. In der Schweiz wäre das hier eindeutig als Alpinwanderung gekennzeichnet gewesen. 😅

Einige Wanderer hatten uns beim Abstieg beobachtet und kehrt gemacht. Andere folgten uns. Man sah ihnen aber an, dass auch sie ziemlich zittrig auf den Beinen waren.

Dann folgte ein anspruchsvoller Aufstieg. Dass wir nachher hier wieder runter kommen mussten, verdrängten wir gekonnt. Sobald wir oben auf 3’524 m ü. M. angekommen waren, hatten wir alle Strapazen vergessen. Die Aussicht auf die umliegenden Berge war überwältigend. Auch die Bergspitze, die auf der 500 TWD-Note zu sehen ist, konnten wir von hier aus erspähen.

Glücklicherweise überlebt wir auch den Rückweg der «Alpinwanderung» und erreichten die Xinda-Hütte wohlauf und hungrig. Wir gönnten uns ein improvisiertes Frühstück, packten unsere Rucksäcke und weiter ging es zum nächsten Gipfel.

Auf und ab und auf und ab und auf und ab. Das erklärt den Weg zur zweiten Hütte ziemlich gut.

Unsere Beine waren schwer, als wir kurz nach dem Mittag bei der Taoshan-Hütte ankamen. Diese Hütte bietet Platz für 16 Gäste und ist im gleich schlichten Stil eingerichtet wie die Xinda-Hütte. Die Sonne schien. Perfekt für einen Mittagsschlaf und eine Nachmittags-Spiel-Session.

Für den Sonnenuntergang nahmen wir noch die letzten Höhenmeter auf den Mt. Tao – der dritte Gipfel auf 3’325 m ü. M. – auf uns. Dieser war nur noch 15 Minuten von unserer Hütte entfernt. Toll, diese Aussicht. Auch mit aufziehendem Nebel:

Die Wassertanks der Hütte waren hier komplett leer und so waren wir froh, dass wir genügend Flüssigkeit mitgetragen hatten. Und dann passierte es:

Beim Aufkochen des Wassers über dem Gaskocher machte ich eine falsche Bewegung und 1.5 Liter «Lebenselixier» landete auf dem Boden. Tollpatsch. Wegen mir würden wir nun hier in den Bergen verdursten. 😩

Spoiler: Natürlich mussten wir nicht verdursten. Aber schon witzig, wie der Körper auf die Knappheit reagierte. Mehrmals in der Nacht erwachte ich mit einem trockenen Hals, obwohl ich nicht weniger als in den letzten Tagen getrunken hatte. Auch mit den nächtlichen «Trinkeinlagen» reichte unser Wasser noch bis zur Rückkehr im Camp.

Wir liessen den Abend draussen unter dem Sternenhimmel ausklingen. Ein paar aufgeweckte Taiwanesen hatten sich zu uns gesetzt und plauderten aufgeregt mit Tracey und ihren Freundinnen. Keine Ahnung, woher diese drei Männer all den Proviant zauberten. Aber irgendwie war der Tisch ständig mit Chips oder anderen Knabbersachen gedeckt. Sie zauberten auch zwei Schnapsflaschen aus ihren Rucksäcken. Einen starken Schnaps – und einen noch stärkeren. Wir mussten natürlich beide probieren. 😅

Für den Geschmack gaben sie zuerst ein paar Pflaumen in den Becher und «füllten» dann mit Schnaps auf. Dieser «Schlummertrunk» war gar nicht so schlecht – und wärmte schön von innen. 😉

Müde von der langen Tagestour, lagen wir bereits wieder früh in unseren Schlafsäcken. Morgen würde es wieder zurück ins «Tal» gehen.

«Hö? Es war doch die Rede von vier Gipfeln. Aber ihr wart doch nur auf drei.»

Ertappt. Wir haben den vierten Gipfel sausen lassen. 😂

Warum? Weil uns einige Wanderer entgegen kamen und meinten, dass wir uns diesen «schenken» könnten. Der Weg sei ähnlich wie der bereits zurückgelegte und einen wirklichen «Gipfel» gäbe es nicht. Irgendwo im Wald, am höchsten Punkt des Ausläufers, sei dann einfach die Tafel aufgestellt. Wir spürten kurz in unsere müden Beine hinein und folgten dem gutgemeinten Rat unserer Weggefährten.

3. Tag | Taoshan Hütte – Mt. Tao – Wuling Farm

4.00 Uhr. Der Wecker klingelte. Wieder gefühlt viel zu früh. Etwas zerknittert stemmten wir uns aus unseren Schlafsäcken und machten uns im Dunkeln auf zum Mt. Tao.

Es war ein eiskalter Morgen und wir waren sehr froh um unsere Thermounterwäsche und unser ausgeklügeltes Zwiebelsystem. Oben angekommen verfluchten wir denjenigen, der meinte, wir sollten spätestens um 4.15 Uhr loslaufen. Ok, ich gebe es zu, ich wars. 😅

Wir waren tatsächlich zu früh. Der Sonnenaufgang liess noch eine Weile auf sich warten und so versuchten wir uns mit Hüpfen warm zu halten. Die Stimmung war aber bereits da einfach nur überwältigend:

Auf dem Gipfel hatten wir genügend Zeit, um uns über die letzte Nacht zu unterhalten. Dara und Fiona hatten anscheinend kaum ein Auge zugetan. Sie hatten ihre «Ohropax» vergessen. Laut ihrem Feedback, dürfte es auf Mt. Tao eigentlich keine Büsche mehr geben. Remo habe die ganze Nacht «gesägt» wie ein Weltmeister. 😂

Der Sonnenaufgang war ein riesiges Naturspektakel. So schöne Farben am Himmel hatten wir schon lange nicht mehr gesehen. Und von hier aus konnten wir bis zum Meer, ja sogar bis zum Blicklicht des Taipeh 101 sehen.

Dann gings bergab. Der Abstieg forderte nochmals alles von uns. Es war steil und rutschig. Unsere Knie taten weh und unsere Muskeln waren am «Übersäuern». Trotzdem erreichten wir nach etwas mehr als drei Stunden das «Tal».

Wir hatten es geschafft. Unfallfrei und ohne zu verdursten. Yes. 💪🏼

Den triumphierenden Marsch über die Brücke zurück zum Startpunkt der Wanderung mussten wir natürlich fotografisch festhalten:

Beim Wander-Briefkasten warfen wir unsere Bestätigung ein, dass wir wohlauf zurückgekehrt waren. Mittlerweile konnte man sich auch online zurückmelden. Der Briefkasten hat aber trotzdem noch seinen nostalgischen Charme.

Zurück bei der Wuling Farm gönnten wir uns die langersehnte Dusche, ein feines Zmittag, organisierten unsere Rucksäcke neu und quetschten wieder alles Gepäck in Junes Auto.

Was macht man nach einer solchen Wanderung? Eine Massage wäre toll. Oder ein Whirlpool. 😍

Beine und Seele baumeln lassen – bei den Fanfan Hot Springs

Auf dem Rückweg ins Tal kamen wir bei den natürlichen Hot Springs von Fanfan vorbei. Dort wollten wir den Tag ausklingen lassen und auch gleich die Zelte für die nächste Nacht aufschlagen.

Direkt beim Flussbett traten ein paar «heisse Quellen» an die Erdoberfläche. Kombiniert mit dem kühlen Flusswasser ergab das einen tollen natürlich «Spa-Bereich». Wir genossen also den Nachmittag in badewannen-ähnlichen Pools und stiessen auf unsere erfolgreiche Wanderung an.

Die Zeit verflog im Nu. Im Halbdunkeln stellten wir unsere Zelte direkt am Bachbett auf, kochten uns einen Topf Spaghetti und liessen den Abend in den Pools ausklingen. Jinzun-Crew, Sternenhimmel und Wassergeblubber – was will man mehr?

Aller Abschied ist schwer

Den nächste Morgen starteten wir mit einer erneuten Badewannen-Session. Den Muskeln hatte das am vergangenen Tag wohl gut getan. Remo hatte keinen und ich nur einen leichten Muskelkater in den Waden. (Damals war uns noch nicht bewusst, dass sich der «richtige» Muskelkater erst einen Tag später bemerkbar machen würde. Zumindest bei mir. Und zwar so richtig. 😅)

Nachdem wir das Zelt und die Schlafsäcke gepackt hatten – zum wohl letzten Mal auf dieser Insel – genossen wir ein letztes Frühstück zu fünft, bevor wir Dara und Fiona in Yilan verabschiedeten. Sie wollten dort noch ein paar Freunde treffen.

Bereits in wenigen Tag würden Remo und ich im Flugzeug nach Hause sitzen. Ach, wie die Zeit vergeht. Nun kam also diese Zeit des Abschiednehmens. Leicht fiel es uns nicht. Doch bei Dara und Fiona waren wir uns sicher, dass wir uns irgendwann irgendwo wiedersehen würden. Schliesslich hatten sie uns in den letzten zwei Monaten Irland als nächste Surfdestination mehr als schmackhaft gemacht. 😉

Weiter geht’s nach Taipeh

June, Remo und ich machten uns auf in Richtung Taipeh. Warum wir zurück in Taipeh den Schlafsack doch nochmals ausrollten und wieso unsere Kletterkünste zwei Tage später schon wieder gefragt waren, erfahrt ihr im nächsten und letzten Blogbeitrag von unserem Taiwan-Abenteuer.

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