Jinzun | Teil 6 | Wo es uns nie langweilig wurde

Jinzun | 29. April – 31. Mai 2020

Wenn man so viel Zeit hat, wird man auch etwas erfinderisch. So hatte Remo die Idee, wir könnten doch mal selber einen Piña Colada machen. Also kauften wir eine frische Kokosnuss, eine frische Ananas und einen Schnaps, der wie etwas „Rum-Ähnliches“ aussah. Wir konnten leider nicht entziffern, welche Flasche welchen Schnaps enthielt. 😂

Wie man Ananas schneidet, wissen wir mittlerweile. Das ist oft unser Nachmittags-Snack. Doch mit der Kokosnuss taten wir uns doch etwas schwer. Vielleicht lag es auch daran, dass wir in der Küche kein wirklich geeignetes Messer fanden. So kämpfte Remo ca. 15 Minuten lang mit der Kokosnuss, bis wir endlich zum Kokoswasser und -fleisch vordrangen.

Mit dem Stabmixer zerkleinerten wir die Ananasstücke zu Ananassaft und das Kokoswasser zusammen mit dem Kokosfleisch zu einer Art Kokosmilch. Frischer zubereitet erhält man einen Piña Colada nirgends.

Frisch war der Drink. Aber lecker? Hm. Wir müssen zugeben, wir hatten schon bessere Piña Coladas − ohne „Ananas-Fäden“ und „Kokosnuss-Stückchen“.

Backe, backe… Bananenbrot

Auch ans Backen haben wir uns gewagt. Zwar waren wir uns zuvor nicht ganz sicher, ob das mit unserem „Mini-Backofen“ überhaupt klappen würde. Unser Motto: Einfach mal druflos backen.

Auch wenn wir hier kaum mehr etwas von Corona spürten, gaben wir uns solidarischerweise der „Bananenbrot-Bewegung“ hin. 😉

Und siehe da, es gelang uns. Das Bananenbrot war innert Kürze aufgegessen. Wir wiederholten unser Bananenbrot-Experiment und „schmuggelten“ noch ein paar Schokoladenstückchen in den Teig. Denn das sollte ein besonders gutes Bananenbrot werden − ein „Geburtstagskuchen“ für Dara.

Dara war begeistert und meinte sogar, dass sei das beste Bananenbrot, dass er je gegessen habe. Ein schöneres Kompliment gibt es nicht. Wenn bei uns berufstechnisch nun alle Stricke reissen würden, hätten wir also eine Geschäftsidee bereit: „Best Bananabread of Jinzun“ oder so. 😜

Wenn Bananenbrot funktioniert, können wir ja auch einmal Brötchen backen. Gesagt, getan. Auch wenn die Brötchen nicht Weltklasse waren − eine schöne Abwechslung zum Toast war es ohnehin.

Fondue Chinoise = Hotpot

Wir wissen jetzt woher der Name „Fondue Chinoise“ kommt. In China nennt man es einfach Hotpot. Es wird eine heisse Suppe aufgetischt, worin dann das Gemüse und das Fleisch gekocht wird.

Auch in Taiwan hat sich der Hotpot als Festessen durchgesetzt. June, eine junge Taiwanesin, die ebenfalls im Hostel als Volunteerin arbeitete, konnte es nicht fassen, dass wir hier noch keinen „Hotpot“ hatten.

Daher kaufte sie kurzerhand alle Zutaten ein und bereitete uns am nächsten Abend ein spektakuläres Hotpot-Erlebnis.

Sie kochte Süsskartoffeln und Karotten vor. Sobald der Pot dann auf dem Tisch stand, wurden unterschiedliche Zutaten „ins Wasser geworfen“. Die vorgekochten Süsskartoffel und Karotten, Pilze, Kabis, Salatblätter, Maiskolben, Fleischstreifen und Co. köchelten vor sich hin. Hier hat nicht jeder „sein“ Fleisch oder „sein“ Gemüse an der Gabel. Sobald etwas gar ist, wird es einfach mit den Stäbchen aus dem Pot gefischt. Gefällt uns. Das war ein tolles, kulinarisches Erlebnis.

June war es auch, die uns immer wieder unterschiedlichste taiwanesische Spezialitäten zum Probieren offerierte. Nicht nur am Night Market in Chenggong. Sie legt sehr viel Wert auf gutes und gesundes Essen. Wahrscheinlich schüttelte sie innerlich immer den Kopf, wenn sie Remo’s „Toast mit Käse“ zum Frühstück sah. 😂

So kamen wir in den Genuss von speziellen Gemüsesorten, traditionellen Getränken, taiwanesischem Pudding und sogar „Pig Ears“. Obwohl die Schweineohren dann nicht mehr viel mit Genuss zu tun hatten. Die Konsistenz ist so, als ob man auf einem Knorpel oder kleinen Knochen herumkaut. Es bleibt beim einmaligen Versuch.

Einführung ins taiwanesische „Rummikub“

Ula kam vorbei. Unter dem Arm einen kleinen Koffer und vier Lineale. Was es wohl damit auf sich hat?

Im Koffer befanden sich ganz viele kleine Spielsteine: Das chinesische Spiel „Mahjong“. Man könnte es fast als eine Art „Nationalsport“ bezeichnen. Denn dieses Spiel wird hier in Taiwan überall gespielt. Schon ein paar Mal hatten wir in der Nähe von Tempeln oder in den Parks beobachtet, wie Mahjong gespielt wurde. Nur schon zum Zuschauen, ist das sehr spannend.

Es ist vergleichbar mit Rummikub, ist aber viel komplexer. Gespielt wird immer zu viert. Dabei versucht man mit 16 Steinen möglichst schnell „Drillinge“ zusammenzustellen, also drei gleiche Steine oder eine Reihe von drei Steinen. Dabei wird immer der Reihe nach ein Stein aufgenommen und dann einen „unbrauchbaren“ aus der eigenen „Sammlung“ in die Mitte gelegt. Diesen „verworfenen“ Stein können dann die anderen Mitspieler für sich beanspruchen. Gewonnen hat, wer zuerst alle Steine in einer „3er-Gruppe“ untergebracht hat. Der Gewinner einer Runde erhält je nach Konstellation der „Drillinge“ gewisse Punkte. Oft wird bei diesem Spiel um Geld gespielt. Um so mehr Punkte, um so mehr Geld gewinnt man.

Das Spiel hat viele Regeln. Diese unterscheiden sich aber anscheinend je nach Region. Uns gefällt das Spiel, weil es Strategiedenken, Glück und Spannung vereint. Zudem läuft es zackig. Wehe, wenn jemand zu lange überlegt.

Geübte Spieler können anscheinend einen Stein aufnehmen und nur mit Ertasten bereits erraten, ob sie den Stein benötigen oder nicht. Besonders während dem Chinese New Year hat dieses Spiel eine stark verankerte Tradition. In gewissen Familien wird während den Feiertagen praktisch von morgen früh bis spät in die Nacht gespielt. Teilweise wird das Schlafen ganz weggelassen.

Wir können uns gut vorstellen, dass dieses Spiel süchtig machen kann. Auch bei uns wurde aus „nur schnell eine Runde“ ein Mahjong-Nachmittag-Abend. 😂

Und so lernten wir auch noch ein paar chinesische Wörter bzw. Zeichen. Die Zahlen von 1-10 konnten wir mittlerweile bereits „aufsagen“. Nun lernten wir noch die Schriftzeichen dazu. Denn die Zahlensteine von 1-9 enthielten nur chinesische Zeichen.

Zudem fanden wir heraus, dass die Namensgeber der taiwanesischen Städte nicht wirklich einfallsreich waren. Denn die Namen Taipeh (Taipei), Taitung (Taidong), Tainan sind einfach in Anlehnung an die Himmelsrichtungen gewählt.

Běi = Norden | Dōng = Osten | Nán = Süden

Ein etwas anderer Tempel

Auf Empfehlung von Ula sahen wir uns einen speziellen Tempel in der Nähe von Chenggong an. Speziell darum, weil er einerseits „draussen“ ist und andererseits überall das Geschlechtsteil des Mannes zu sehen war.

Wie bitte? 😅

Ja, wirklich. Willkommen beim Penis-Tempel.

Anscheinend soll der grosse Felsen wie ein Penis aussehen und daher wurde rund um diesen Felsbrocken ein „Pilger-Weg“ angelegt.

Früher war es besonders bei den indigenen Stämmen in Taiwan ein Segen, wenn die Frau einen Sohn zur Welt brachte. Denn Jungs waren stärker als Mädchen und konnten so die schwere Arbeit auf dem Land besser verrichten.

Schwangere Frauen kamen also zum „Penis-Tempel“, um dort die Götter um einem Sohn zu bitten.

Das läuft etwa so ab: Mit Wasser bespritzt man zuerst eine grosse Statue. Dann bittet man um eine Sache: Erfolg, Glück oder eben einen Sohn. Anschliessend macht man sich im Uhrzeigersinn auf den „Pilger-Weg“, wenn man mit dem eigenen Leben zufrieden war. Ist man unglücklich, geht man den Weg entgegen des Uhrzeigersinns. Auf dem Weg sind sieben kleinere Penis-Statuen aus unterschiedlichen Materialen verteilt. Jede dieser Statue berührt man andächtig mit den Händen. Zurück beim Start klatscht man 3x in die Hände und betet zur „grossen“ Statue.

Wir haben dieses Prozedere natürlich auch ausprobiert. Jedoch baten wir nicht um einen Sohn − Glück reicht uns momentan. 😉

Der Sprung ins warme Wasser

Noch etwas geflashed von den vielen Penisen, gings mit dem Roller Richtung Strand. Anscheinend gab es ganz in der Nähe einen Felsen, von wo aus man prima ins Meer „gumpen“ kann. Der Felsen ist vielleicht 8 Meter hoch. Die Jungs waren natürlich Feuer und Flamme − Dara und Kelvin wahrscheinlich etwas mehr als Remo. Denn Remo mag die Höhe nicht besonders. Doch nach kurzem Zögern, sprang auch er ins Wasser.

Fiona und ich beliessen es beim Zuschauen und gönnten uns nachher vom Sandstrand aus einen Schwumm im Meer. Nach dieser schönen Abkühlung gings zurück Richtung Donghe. Unterwegs sahen wir eine coole Bar, wo wir uns ein kühles Bier gönnten. Dieser Ort war perfekt für eine Bar bzw. Disco. Mitten im Grünen. Mit einer coolen Dachterrasse.

Kelvin haben wir gleich da gelassen. Denn er war perfekt gekleidet für die bevorstehende Party: Die White-T-Shirt-Party. Jeder, der ein weisses T-Shirt trug, konnte kostenlos essen und trinken so viel er oder sie wollte.

Wir wollten noch eine Surfsession einlegen und kehrten daher zurück nach Jinzun. Zudem wussten wir, dass an diesem Abend auch ein Barbecue in Donghe angesagt war.

Barbecue-Night mit Karaoke-Plausch

Es hatte sich gelohnt auf das Barbecue zu setzen. Zusammen mit Dara und Fiona gönnten wir uns das beste Barbecue-Pork und Jerk-Chicken von Taiwan. Wir waren nicht die einzigen, die diesen Festschmaus sichtlich genossen.

Eine Gruppe von etwa 20 Personen ass neben uns am grossen Tisch. Nach dem Essen ging’s dann gleich weiter − mit Reiswein. Nach jedem Glas wurde es lauter am Nachbarstisch. Plötzlich kam der Restaurant-Besitzer auch zu uns und offerierte uns ebenfalls einen Reiswein. Es handelt sich dabei nicht wirklich um einen Wein. Wir würden es „Schnaps“ nennen. Lecker aber heimlifeiss.

Und dann ging alles ganz schnell. Die Karaoke-Maschine wurde gestartet und los ging es mit einem Mix aus Gejaule und Gesang. Wir waren begeistert, schaukelten mit, klatschten, tanzten und sangen.

Eine junge Frau kam auf uns zu und erklärte uns, dass sie die Reiseleiterin dieser Gruppe ist. Eigentlich sollte die Reisegesellschaft gerade durch Italien reisen. Da dies aber nicht möglich ist, habe sich die Gruppe entschieden, das eigene Land etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Dann fragte sie uns, wie alt wir sie schätzen. 35 Jahre? Wieder einmal lagen wir voll daneben. Diese Asiaten sehen einfach immer viel jünger aus, als sie wirklich sind. Auf 50 Jahre hätten wir die Frau also wirklich nicht geschätzt.

Nachdem die Reisegruppe gegangen war, machten auch wir uns auf den Weg zurück ins Surf House. Es war eine sternenklare Nacht, was für Jinzun eher eine Seltenheit war. Perfekt für ein Lagerfeuer.

Lagerfeuer-Romantik

Dara war es, der diese Idee hatte. Und wir − bereits etwas angeschwipst vom Reiswein − waren natürlich sofort dabei. Also ging es ab an der Strand. Schwemmholz sammeln. Feuer machen. Musik hören. Geniessen.

Fast wären wir auch direkt am Strand eingeschlafen. Doch irgendwann krabbelten zu viele „Sand-Viecher“ an uns herum. Also gings zurück ins Bett. Was für ein toller Abschlussabend.

Weiter geht’s nach Alishan

Wiedermal war es Zeit, sich zu verabschieden. Doch dieses Mal gingen wir mit einem guten Gefühl los. Denn wir wussten, dass wir früher oder später wieder in Jinzun sein würden. Wir mussten schliesslich unser Zelt und die Schlafsäcke abholen. Und noch ein bisschen Surfen. 😉

Nach der Busfahrt zurück nach Taitung stiegen wir in den Zug Richtung Chiayi. Von dort aus wollten wir dann das traditionelle „Alishan-Zügli“ in die Berge nehmen.

Warum dann aber trotz Reservation nichts aus der historischen Zugfahrt wurde und wieso uns noch drei Tage später ein fieser Muskelkater plagte, erfahrt ihr im nächsten Blogbeitrag.

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