Jinzun | Teil 5 | Wo es sich ganz gut leben lässt

Jinzun | 29. April – 31. Mai 2020

Wir warteten an der Bushaltestelle auf den nächsten Bus in Richtung Donghe. Voller Vorfreude. Nach ca. 30 Minuten warten an der Bushaltestelle hielt plötzlich ein Auto neben uns. Ein junger Typ fragte uns, wohin wir wollen. Zumindest hatten wir das für uns so übersetzt. Also sagten wir „Dong Hö“ und der Typ nickte und öffnete uns die Autotür. Okay. Warum nicht. Wir hieften unsere grossen Rucksäcke in den Kofferraum und stiegen ein. Remo vorne. Ich hinten.

Wir merkten schnell, dass dieser Typ kein Wort English verstand. Das kann ja heiter werden, denn wir wussten, dass die Fahrt ca. 30 Minuten dauern würde. Kaum waren wir losgefahren, streckte er Remo eine „betel nut“ (dt. Betelnuss) hin. Das ist eine lokale „Spezialität“. Eine in einem Blatt eingepackte Art Nuss, die man kaut und die anscheinend wie eine Art „Red Bull“ aufputschen soll. Wir hatten bisher nur davon gehört. Man hört Räubergeschichten, dass ein regelmässiger Konsum von Zahnverlust bis zu Krebs führen kann. Doch diese Aussichten scheinen die Locals hier nicht zu stören. Immer wieder sehen wir die Leute mit vom Saft gefärbten roten Lippen im Dörfchen herumlaufen.

Zurück im „Taxi“. Remo nahm die „betel nut“ dankend an. So eine Chance darf man sich nicht entgehen lassen. Man beisst die „betel nut“ auf einer Seite auf und kaut dann einige Minuten darauf herum. Doch man kann die „betel nut“ tatsächlich auch auf der falschen Seite aufbeissen. Davon kann Remo ein Liedchen singen. Ein paar Tropfen der „betel nut“ zieren noch heute seine Shorts. 😂

Also kauten die zwei Männer auf den Vordersitzen ihre „betel nuts“ und ich sass auf dem Rücksitz und hielt mich so gut es ging fest. Denn unser Fahrer nahm es nicht so genau mit den Geschwindigkeitsanzeigen. Anstatt mit 60 km/h rasten wir mit 110 km/h durch die Gegend. Dabei überholte er „langsame“ Autos gekonnt auf der rechten oder linken Seite. So schlängelten wir uns im Affenzahn auf dem Highway 11 in Richtung Donghe.

Nach knapp 20 Minuten stiegen wir in Donghe aus und wollten dem flotten Typ noch ein Trinkgeld geben. Doch dieser winkte ab, stieg in sein Auto, drehte den Wagen und fuhr in die Richtung zurück, aus der wir gekommen sind. Bis heute wissen wir nicht, was für ein Umweg dieser Typ extra für uns gemacht hatte. Danke, Highway-Raudi. 😂

Übrigens, wie diese „betel nuts“ genau aussehen und wie man diesen „Energy-Booster“ richtig einsetzt, erklärt ein anderer Tawain-Besucher sehr gut in seinem Video.

Willkommen zurück

Im Surfhouse angekommen war niemand zu sehen. Also setzten wir uns erstmal hin und freuten uns einfach, wieder zurück zu sein. Es war wie ein „Nachhause-kommen“.

Die Freude war gross als Fiona und Dara auftauchten. Es war fast so, als wären wir nie weg gewesen. Wir erzählten von unseren Erlebnissen im Süden der Insel und schwärmten von Lanyu. Dieser Ort steht jetzt auch auf Fiona’s und Dara’s To-Do-Liste. 😉

Nach einem leckeren Znacht und dem Austausch der aktuellsten Neuigkeiten ging es bereits wieder ab in die Heia. Denn am nächsten Morgen würde der Wecker um 5.30 Uhr kein Erbarmen zeigen. Surfer-Alltag halt.

Es war ein tolles Gefühl wieder zurück in den Wellen zu sein. Irgendwie scheinen wir dahin zu gehören. ❤

Bienvenido a Taco-Night

Ein weiteres Highlight gab es bereits am nächsten Abend: Fiona und Dara hatten eine „Taco-Night“ angesagt. Und es war sooo lecker. Fiona ist wirklich eine Meisterköchin. Wir schlugen uns die Bäuche voll und hörten dazu die passende Musik. Natürlich durften auch 1-2 Bierchen nicht fehlen.

Auch Ula der Besitzer des Surfhouses kam vorbei. Er hatte „den besten Reiswein der Insel“ mitgebracht. Den trinkt man hier anscheinend mit Sprite verdünnt. Sehr „heimli-feiss“ dieses süsse, leckere Getränk.

Bereits einige Male kamen wir in den Genuss von irischen Flötenklängen. Zu Beginn dachten wir, dass Fiona und Dara Musik hörten. Später fanden wir heraus, dass Dara höchstpersönliche der ominöse Flötenspieler ist. An der Taco-Night gab er uns ein Ständchen zum Besten.

Achtung: Erdbeben

Unseren Alltag in Jinzun kennt ihr ja bereits aus den vorherigen Blogbeiträgen. Surfen, Frühstück, Vormittagsschlaf, Zmittag, Chillen, Surfen, Znacht, Schlafen. Das zog sich so ziemlich die ganze Zeit durch. Aber wer jetzt denkt, dass es einem so doch langweilig werden muss, der irrt sich. Irgendwie wusste man sich immer zu verweilen. Und es war einfach mal schön, so richtig zu entschleunigen und in den Tag hinein zu leben.

Einmal als wir uns gerade in unserem Zimmer ein kurzes Vormittagsschläfchen gönnten, hörten wir komische Geräusche von draussen. Wie ein Donnergrollen. Plötzlich schwankte unser Bett. Wir hielten uns am Bettrand fest und schauten uns an: Ein Erdbeben.

Der Reiseführer hatte uns bereits davor gewarnt und trotzdem sind wir ziemlich erschrocken. Wir sprangen auf und warteten ab, was nun passierte. Es schaukelte ca. 10 Sekunden lang spürbar. Dann war wieder alles wie vorher.

Wie wir später erfuhren, handelte es sich um eine Erdbeben der Stärke 5.1. Eine eindrückliche Erfahrung. Für die Einheimischen ist das jedoch nichts Spezielles mehr. Sie sind sogar froh, um diese „kleinen“ Erdbeben. So kann sich die Spannung „na-dis-na“ entladen und es komme nicht alles auf einmal. Denn dann wären die Leute hier in ihren kleinen Häusern wohl ziemlich aufgeschmissen.

Reis, Reis, Reis

Was wäre Taiwan ohne Reisfelder?

An der Ostküste reihen sich Reisfeld um Reisfeld. Es war toll während unserer Zeit in Jinzun dem Reis beim Wachsen zuzusehen. Und es roch immer so lecker, wenn wir die Reisfelder mit dem Roller oder zu Fuss passierten. Wann der Reis wohl geerntet wird?

Auf geht’s zum Night Market Chenggong

Auch an der Ostküste gibt es Night Markets. So findet beispielsweise immer montags der Night Market in Chenggong statt. Ula, der Besitzer des Surf Houses, holte uns in seinem Van ab und so fuhren wir gemeinsam zu siebt los. Ula, Dara, Fiona, Alex, June und wir zwei. Nicht das der Van ein 7-Plätzer gewesen wäre. Ula hatte ein paar Gartenstühle in den leeren, hinteren Bereich gestellt. 😂

Beim Night Market angekommen schauten wir uns die verschiedenen Stände etwas genauer an. Eine Farbenpracht. Von Früchten, über Reis- und Nudelgerichten bis zu süssen Säften und Backwaren konnte man hier alles haben.

Ula und June, beide geboren und aufgewachsen in Taiwan, machten uns mit neuen taiwanesischen Spezialitäten bekannt, an die wir uns bisher noch nicht herangewagt hatten.

Oyster-Omlet: Diese eher gummige Delikatesse ist sehr bekannt in Taiwan. Auch wenn Remo und ich nicht wirklich Seafood-Esser sind, schmeckte uns dieses Omlette wirklich gut. Anscheinend wird dem Omlette „Stärke“ beigefügt, was für die kaugummimässige Konsistenz verantwortlich ist.

Chicken-But: Das ist ein Teil des Huhns, den wir in der Schweiz nicht verwerten. Aber wir müssen zugeben, das schmeckt gar nicht so schlecht. Würden wir wieder kaufen.

Stinky Tofu: Es handelt sich hierbei wirklich um „stinkenden Tofu“. Den Geschmack, den wir bei unserem ersten Night Market in Taipeh dem Abwasser zuschrieben. Auch wenn alle sagen, dass er besser schmeckt, als er riecht: Wir sind keine Fans. Den gewöhnungsbedürftigen Geschmack bringt man fast nicht mehr aus dem Mund. Da nützt auch keine Sauce etwas.

Chicken-Skin: Die Hühnerhaut war von der Konsistenz her etwas gummig, aber geschmacklich in Ordnung. Wir würden sie aber selber nicht mehr bestellen.

Bloodcake: Dieser „Kuchen“ sah aus wie eine „Polenta-Schnitte“, schmeckte aber nach Reis, Kümin und Blutwurst. Würden wir wieder essen, scheint sehr nahrhaft zu sein.

Es hätte noch viele weitere exotische Speisen gehabt. Zum Beispiel Entenköpfe oder Hühnerfüsse. Das sei aber doch sehr speziell, meinten sogar Ula und June. Puh, Glück gehabt. 😅

Am meisten begeistert waren wir von der „Frühlingsrollen-Frau“. Dara und Fiona hatten bereits einmal bei ihr eine Frühlingsrolle gegessen und waren begeistert. Also bestellten wir alle eine zum Probieren. Wir warteten ca. 15 Minuten, weil die liebe, alte Frau alle 10 (oder so) Zutaten fein säuberlich auf den „Fladen“ streute. Das Warten hatte sich aber mehr als gelohnt.

Und auch das Dessert konnte sich sehen lassen. Wir hatten uns unter „Crêpes“ zwar etwas anderes vorgestellt. Dieses riesen Ding war aber auch sehr lecker.

Wenn die Tiere verrückt spielen

Es war Vollmond. Und das schienen vor allem die Tiere stark zu spüren. Die Hunde der Nachbarschaft bellten bereits morgens um 6.00 Uhr um die Wette oder rannten wie Gestörte irgendwelchen kleinen Lieferwägelchen nach.

Nicht dass das etwas Neues wäre, das machen sie eigentlich jeden Tag. Aber rund um den Vollmond kam es sogar vor, dass sie uns anbellten. Und uns kannten sie ja mittlerweile ziemlich gut. 😅

Doch es waren die Fliegen, die den Vogel abschossen. Natürlich nicht wortwörtlich.

Im Outdoor-Wohnzimmer gibt es zwei Lampen bzw. Glühbirnen. In den Tagen rund um den Vollmond gab es ein Zeitfenster von vielleicht 45 Minuten (kurz nach 18.00 Uhr), wo sich Hunderte von mittelgrossen Fliegen um diese zwei Lichtquellen versammelten.

Wollte man zu dieser Zeit das Abendessen am Tisch (unterhalb der Lampen) zu sich nehmen, hatte man ein paar Extra-Protein-Portionen inklusive. Denn kaum waren diese 45 Minuten vorbei, war der Boden und der Tisch übersäht mit Fliegen.

Darüber freuten sich unsere Gekkos besonders. Diese schlugen sich die Bäuche voll. Am nächsten Morgen waren  am Boden nur noch die Flügel der Fliegen zu sehen. 😂

Rund ums Haus spazierten ab und zu auch Gänse, Hühner oder Krabbeltiere. Immer wieder spannend, welche Tiere da bei uns vorbei schauten. Auch eine Gottesanabeterin und ein Tausendfüssler hatten sich einmal zu uns gesellt.

Viel Zeit in Jinzun

Was macht man mit so viel Freizeit? Wir liessen unsere Experimentierfreude in der Küche aufblühen. Was dabei herauskam und wie wir doch noch ein paar Wörtchen Chinesisch lernten, erfahrt ihr im nächsten Blogbeitrag.

3 Kommentare zu „Jinzun | Teil 5 | Wo es sich ganz gut leben lässt

  1. Yolanda Sigrist 27. Juni 2020 — 13:29

    Dankä super Kommentar und dazu noch die Fotos dazu!👍👍

    Gefällt mir

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