Hualien | Wo alle Wege zum Night Market führen

Hualien | 20. – 22. März 2020

In Hualien angekommen stiegen wir mit unseren grossen Rucksäcken in den Bus zum Hostel und freuten uns bereits auf einen „Lazy Afternoon“ in unserer Unterkunft. Wir wollten den nächsten Blogbeitrag fertigstellen, denn wir waren bereits da ziemlich in Verzug. 😅

Im Hostel angekommen − es hiess „Cave“ und sah auch ziemlich so aus − erwartete uns der erste Bremser. Hatte etwas mit unserer Reservation nicht geklappt?

Die zwei Leute am Empfang tauschten ein paar Worte und sahen uns dabei immer wieder verstohlen an. „Passport, please.“ Wir händigten ihnen unsere Pässe aus. Die beiden blätterten ungeduldig darin. Dann wurde uns klar: Sie wollten wissen, seit wann wir im Land sind. Da fiel uns auch das Schreiben in English auf, welches gleich neben dem Empfangstresen hing. Ein Schreiben der Regierung. Ausländer, die nach dem 1. März nach Taiwan gekommen sind, müssen von den Unterkünften zusätzlich überprüft werden.

Ok. Also wieder Fiebermessen, Hände desinfizieren und möglichst gesund dreinschauen.

Puh, es hat geklappt. Wir erhielten die Zimmerkarte für unser Doppelbett im gemischten Schlafsaal. Als wir eintraten, kam uns ein Duftcocktail von Schweissfüssen und Deospray entgegen. Also deponierten wir nur schnell unsere Rucksäcke und suchten uns anschliessend in der Hostel-Küche ein ruhiges Plätzchen.

Doch so ruhig war das nicht. Das Hostel hatte nämlich nur einen Aufenthaltsbereich, der zugleich Küche und Eingangsbereich war. Um uns herum wurde gekocht, gespielt und sogar am Tisch geschlafen. 😂

Ein paar Stunden später hielten wir es nicht mehr aus. Nicht etwa wegen den Leuten um uns herum. Nein. Seit ein paar Tagen plagten uns kleine, fies-juckende, rote Pünktchen an den Fussgelenken. Und in Hualien schienen sich diese sichtlich wohl zu fühlen. Sie vermehrten sich. Auch an den Händen, Knien, Ober- und Unterschenkel fing die Juck-Party an. Mühsam. Da war sogar Fenistil machtlos.

Wir versuchten uns vom Juckreiz abzulenken und gingen an den Night Market. In diversen Videos, die wir bereits über Hualien gesehen hatten, wurde der Night Market von Hualien als der Beste und Schönste aller taiwanesischen Night Markets  bezeichnet.

Nun wussten wir warum. Hier gibt es nicht nur leckere Essensstände. Man findet hier auch Attraktionen, „Chilbi-Stände“, diverse Sänger und Künstler.

Ein bisschen Schweizer-Feeling in Taiwan

Am nächsten Morgen machten wir uns nach dem Frühstück (Toast mit Käse 😉) auf, um am Bahnhof einen Roller zu mieten. Wir hatten das Bedürfnis, auch ausserhalb von Hualien etwas zu entdecken. Städte hatten wir nun doch schon so einige gesehen.

Also hielten wir Ausschau nach einer Rollervermietung. „Oh, da stehen ganz viele Roller, lass uns mal dort fragen.“ Irgendwie kam uns der Eingang schon etwas komisch vor. Und anscheinend bietet diese Vermietung sehr viele unterschiedliche Marken an. Aber wir dachten uns nichts dabei, öffneten die Türe und staunten nicht schlecht. Das war keine Vermietung. Das war eine „Gamer-Höhle“. 😂

Ca. 100 Nasen sassen mit ihren grossen Kopfhörern vor grossen Bildschirmen und waren in eine fremde Spielwelt eingetaucht. Hier verbringt die Jugend von Hualien also ihren Samstagmorgen. Spannend. Wir genossen lieber das schöne Wetter und machten uns weiter auf die Suche nach einer Rollervermietung.

Bei zwei Vermietungen (ja, wirklich Vermietungen) wurden wir direkt wieder weggeschickt. „Only Taiwanese.“ Beim dritten Ort klappte es dann. Wiederum hatten wir innert 5 Minuten unseren Roller. Doch wie es scheint, haben wir zu kleine Köpfe für taiwanesische Verhältnisse. So durfte ich auch Kinderhelme probieren. Die Vermieter lachten sich fast schlapp. Ich fand es weniger lustig, entschied mich dann doch etwas trotzig für den Hello-Kitty-Helm. 😅

Also konnte es losgehen zum Lake Liyu. Etwa 40 Minuten Fahrt lagen vor uns. Dort angekommen fühlten wir uns gleich ziemlich heimisch. Ein See wie Zuhause in der Schweiz. Mit einem schönen Weg entlang dem Ufer. Und Pedalos. Wir müssen zugeben: Was Pedalos betrifft, sind die Taiwanesen bei der Sujetwahl etwas kreativer als wir Schweizer.

Zu Fuss umrundeten wir den See und tankten viel Sonnenschein. Entlang des Sees hatte es immer wieder kleine Pavillons. Es war predestiniert für kleine Familienfeste oder Grillpartys. Vor allem bei diesem tollen Wetter. Schade, dass wir kein Picknick mitgebracht hatten.

Unterwegs erhielten wir eine E-Mail von unserer Surfhouse-Unterkunft, die wir für die folgenden zwei Wochen gebucht hatten. Auf Anweisung der Regierung müssten wir ihnen eine Kopie unseres Einreisestempels schicken und ein Video, indem wir unseren Gesundheitszustand beschreiben und „beweisen“, dass es uns gut geht. Na gut. Das Video drehten wir gleich mit der schönen Seekulisse und hofften, dass unserem Surfurlaub nun nichts mehr im Wege steht. Etwas mulmig war uns aber schon. Was ist, wenn sie uns ablehnen?

Nach ein paar schönen Stunden am See machten wir uns auf den Rückweg. Google Maps führte uns dabei auf „Schleichwegen“ zurück nach Hualien.

Plötzlich befanden wir uns auf einem Kiesweg und die Spaziergänger dort sahen uns doch etwas komisch an. Erst da bemerkten wir, dass wir bei Google Maps anstelle der „Auto“-Route, die „Fahrrad“-Route eingestellt hatten. 😂

Zurück in Hualien machten wir einen Abstecher zur Strandpromenade. Warum sie dort immer noch Weihnachtsschmuck verwenden, ist uns ein Rätsel. 😅

Man merkt es Hualien an, dass es eine Stadt am Meer ist. Das Klima war milder als zuvor im Norden der Insel. Zudem zierten Palmen die Stadt und Sommer-Feeling kam auf. Die Stadt ansonsten hat uns für Sightseeing nicht wirklich gereizt. Vielleicht lag es auch daran, dass wir die letzten Tage so viele Eindrücke gesammelt hatten und der Speicher voll war?!

Nach einem kurzen Abstecher zum Night Market gingen wir zurück ins Hostel und suchten uns ein gemütliches Ausflugsziel für den nächsten Tag.

Ausflug ins Blaue (und Grüne)

Wir machten uns auf, eine kleine Farm im Süden von Hualien anzuschauen. Was uns dort genau erwarten würde, war uns unklar. Wir fuhren einfach mal „druflos“ und liessen uns überraschen.

Zum Glück hatten wir Mückenspray dabei. Denn es handelte sich bei dieser Farm eigentlich eher um ein riesiges „Biotop“ bzw. eine Frösche-Farm. Wir schauten uns um. Wir hörten die Frösche zwar, aber sehen konnten wir sie nicht. Irgendwie wollten sie sich uns nicht zeigen. Dafür sahen wir viele Libellen, andere bekannte und unbekannte „Flugobjekte“ und kleine Fische. Die Wege waren sehr schön hergerichtet, mit Holzbrücken und kleinen Pavillons. Ein Ausflug ins Blaue, der in einem Ausflug ins Grüne endete.

Auf der Fahrt zurück nach Hualien passierten wir Reis- und Gemüsefelder. Bisher hatten wir kaum Agrarland oder bewirtschaftete Flächen gesehen. Erst hier im Osten der Insel scheint das überhaupt möglich zu sein.

Auch hier hatten wir eine Extra-Linie für Roller. Autos kamen uns so nie zu nahe und wir hatten freie Fahrt. Bis wir von einem Polizisten angehalten wurden. 😅

Er fragte uns, ob wir Chinesisch sprechen. Wir schüttelten den Kopf. „Ok, goodbye.“

War das alles? Wir mussten nicht einmal den Führerschein zeigen. Vielleicht sahen wir einfach zu brav aus oder er hatte keine Lust, sich mit Händen und Füssen zu verständigen. Es schien sich jedenfalls um eine generelle Kontrolle zu halten. Auch die Rollerfahrer hinter uns, mussten kurz stoppen.

Wir fuhren weiter und der kühle Fahrtwind liess uns alle Bedenken − und auch unseren Juckreiz an den Beinen − für eine Weile vergessen. Das ist Freiheit.

Zurück in der Stadt brachten wir den Roller zurück zur Vermietung und machten uns dann zu Fuss auf den Rückweg zum Hostel. Unterwegs kamen wir an einem grossen Einkaufszentrum vorbei. Wir waren etwas überrascht, dass dieses auch sonntags geöffnet hat.

Wir schauten uns um, gespannt, welche Läden uns erwarten würden. Im untersten Stock schien es nur einen grossen Laden zu geben. Von aussen glich er einem „Media Markt“. Wir traten ein. Natürlich war zuerst Fiebermessen und Desinfektionsmittel angesagt.

Wir staunten nicht schlecht, als wir uns den Laden genauer ansahen. Im a.mart − so hiess das Geschäft − konnte man alles finden. Wirklich alles. Hier sind Media Markt, Coop Bau & Hobby, Otto’s Warenposten und Migros in einem Laden vereint. Von Kühlschränken, über frischen Fisch, kleine Möbel und Instant Noddles. Immer wenn wir dachten, mehr geht nicht, belehrte uns das nächste Regel eines besseren. Aber seht selbst:

Vor dem Laden standen zudem drei kleine, telefonzellen-artige Boxen. Wir wunderten uns zuerst, ob man hier wirklich noch Münztelefone betreibt. Doch beim genaueren Hinschauen, entdeckten wir in einer der drei Boxen zwei Mädchen − singend. Es handelt sich um Karaoke-Boxen. 😂

Wir hatten bereits davon gehört, dass Karaoke anscheinend DIE Freizeitbeschäftigung und Passion vieler Taiwanesen ist. Aber dass man dafür ins Einkaufscenter geht, das hätten wir nicht erwartet.

Auch am letzten Abend in Hualien hat es uns wieder wie magisch an den Night Market gezogen. Dort tanzt der Bär. Dort läuft etwas. Und es gab noch so viele Köstlichkeiten, die wir noch nicht ausprobiert hatten.

An diesem Abend lernten wir, dass man immer auf das Essen, das man haben möchte, zeigen sollte. Und, dass man sich nicht von „englischen“ Übersetzungen leiten lassen sollte. Ich dachte, die liebe Frau verkauft ausschliesslich diese süssen Rollen, die auf ihrem Wägelchen zu sehen waren. Ich dachte auch, dass diese dann wohl mit „Vegan Risotto“ gefüllt sein würden, weil das auf einem ihrer Aushängeschildern stand. Also süsse Teigtaschen mit Risotto gefüllt. Hört sich doch gut an.

Etwas irritiert war ich, als sie mir dann mit viel Sorgfalt einen grossen Topf mit Reis, Suppe und Fleischstückchen (Wie war das mit „Vegan Risotto“?) zubereitete. Sie hatte hinter dem Wägelchen am Boden nämlich noch ein paar andere Töpfe „versteckt“. Die liebe Frau war so in ihrem Element, dass ich sie unmöglich unterbrechen konnte.

Trotz der Enttäuschung über das Missverständnis bedankte ich mich freundlich und nahm den Reistopf entgegen. Remo konnte sich vor Lachen nicht mehr halten. Anstatt ein Dessert, gab es nun halt ein zweites Znacht. Reis hatte ich jetzt genug für eine Weile. 😅

Zurück im Hostel stand ein Highlight der Keller-Verwandtschaft bevor: Ein XXL-Video-Call mit meinen Tanten und Onkeln. Fast alle acht Geschwister meines Vaters hatten es irgendwie geschafft, sich online anzumelden und daran teilzunehmen. Bei einigen merkte man aber sofort, dass dies der erste Video-Call war, da man oft nur den Hals oder den halben Kopf im Bild sah. 😉

Ein solcher XXL-Call muss natürlich moderiert sein, was Onkel Guido gekonnt übernahm. So konnte einer nach dem anderen berichten, wie es ihm ging und vor welche Herausforderungen ihn das Coronavirus stellte. Es war ein spannender Austausch. Denn die Keller-Verwandtschaft verteilt sich über die ganze Schweiz und ist beruflich in diversen Sektoren tätig. Darunter auch Politiker, Bäckermeister, Logistiker, Unternehmer, Bauleiter, Reiseführer, Berater, Landwirten und Studenten.

Es war schön, die ganze Familie wieder einmal zu „sehen“ und online etwas Zeit miteinander zu verbringen. Ein bisschen Heimweh kam dabei schon auch auf. Aber Remo lenkte meine Aufmerksamkeit nach dem Call gleich wieder auf unsere Pläne hier vor Ort. Unsere bevorstehende Velotour musste noch geplant werden. Ein weiteres Highlight unserer Reise durch Taiwan. 🙌🏼

Also planten wir bei einem Bierchen die einzelnen Etappen. Wo essen wir? Wo schlafen wir? Was brauchen wir für unterwegs? Dann ging’s ab ins Bett. Wir wollten schliesslich fit sein für unser Velo-Abenteuer.

Weiter geht’s nach Taitung

Auf zwei Rädern geht die Reise weiter. Innert drei Tagen der Ostküste entlang nach Taitung. Was wir in diesen drei Tagen erlebten und warum Remo ein grosser Glückspilz ist, erfahrt ihr im nächsten Beitrag.

5 Kommentare zu „Hualien | Wo alle Wege zum Night Market führen

  1. ? alles ohne Masken ?? von wann soll denn der Reisebericht sein

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    1. Vielen Dank für den Kommentar. Vor einem Monat, Mitte März. Nur im öffentlichen Verkehr wurde man damals gebeten, eine Maske zu tragen.

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  2. Hallo Zämä
    Interessante Beiträge, schöne Bilder…..
    Hier in der CH dreht sich seit Wochen alles nur noch im das Eine …. Cor..oo…na…. bla ..bla.. bla.
    Wie sieht es bei euch aus? Es macht den Eindruck, dass es keine grösseren Einschränkungen gibt?
    Habt wohl die richtige Destination ausgesucht…..
    Habt ihr eine Möglichkeit nach 11 Wochen zurück zu kehren oder werdet ihr euren Trip noch ein wenig verlängern?
    Macht’s gut
    Lg Linus

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    1. Hallo Linus, danke für deine Nachricht. Auch bei uns ist Corona natürlich ein Thema. Man darf Bus/Zug nicht mehr ohne Maske betreten. Auch bei Restaurants und Shops werden die 1.5 m Abstände klar kommuniziert und der Eintritt ist meistens nur mit Maske möglich.

      Da Taiwan sehr früh reagiert hat und nur sehr wenige Fälle verzeichnet, hat hier alles geöffnet und die Einwohner dürfen sich frei bewegen. Nicht ohne Grund wird Taiwan sogar in Schweizer Zeitungen als „gutes Vorbild“ präsentiert. Wir haben uns wirklich die richtige Destination ausgesucht. 😉

      Wir warten nun die weiteren Infos vom Bundesrat ab und entscheiden uns Mitte Mai, was wir machen. Geplant wäre eigentlich eine Rückkehr Ende Mai. Falls sich die Situation in Europa bis dahin aber noch nicht weiter stabilisiert hat, können wir uns auch vorstellen, noch etwas länger hier zu bleiben. Taiwan gefällt uns wirklich sehr.

      Liebe Grüsse in die Schweiz 😊

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  3. Yolanda Sigrist 29. April 2020 — 13:20

    Soooooo interessant👍

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