Jiufen | Wo das Fitnesstraining zum Alltag gehört

Jiufen | 10. – 11. März 2020

Der Bus schlängelte sich während 15 Minunten von Riufang nach Jiufen. Dank der super Infobeschreibung unseres Hotels, wussten wir genau, bei welcher Station wir aussteigen sollten. Also eigentlich waren zwei Haltestellen eingezeichnet: eine für „Backpackers“ und eine für „heavy Luggage“. Warum wohl? Wir, mit unseren Rucksäcken, stiegen bei der ersten Haltestelle aus.

Bereits an der Haltestelle war uns alles klar. Stufen über Stufen führten uns „hoch“ direkt in die Old Street von Jiufen und von dort weiter zu unserem Hotel. Die schönen, orangen Laternen weisten uns den Weg. Beladen mit unseren schweren Rucksäcken hieften wir uns die Treppen hoch. Es regnete in Strömen. Und trotzdem waren wir von Anfang an Feuer und Flamme für dieses kleine, charmante „Bergdörfchen“.

Wir wurden herzlich begrüsst. Die ältere Dame hinter dem Hotel-Tresen lächelte und zeigte uns auf der Karte, was wir uns unbedingt anschauen sollten. Anschliessend führte sie uns zu unserem Zimmer. Einfach aber herzlich eingerichtet, wartete es bereits auf uns. Wir waren wieder einmal Baff. 24 CHF in der Nacht für ein Doppelzimmer. Wie geht das?

Es goss weiter wie aus Kübeln. Nicht gerade das Wetter, dass uns gross nach draussen zog. Trotzdem machten wir uns auf, um die Old Street von Jiufen etwas genauer anzuschauen. Und zack, waren wir mitten drin in der Welt des Tees, taiwanesischen Köstlichkeiten und Souvenirshops.

Mitten in der Touri-Meile trafen die bisher „agressivsten“ Verkaufsstrategien auf uns. Tee und Gebäck wurden uns förmlich ins Gesicht gestreckt. Bei diesen wenigen Touristen fielen wir natürlich auf und musste also den Kopf hinhalten. So haben wir das eine oder andere getestet und ab und zu (eher aus Mitleid) etwas gekauft. Auch musikalisch ergaben sich einige Highlights. Unser Zmittag genossen wir zu den Popklängen einer taiwanesischen „Britney“. Spannend. 😅

Anschliessend sassen wir das schlechte Wetter bei einem Bier in einer gemütlichen Bar ab und genossen die wunderbare Aussicht. Schön hier. Uns gefällts.

Auf geht’s dem Himmel entgegen

Unser Tagesziel für den nächsten Tag: Den Mount Keelung besteigen. Eines der „Must-dos“ in Jiufen.

Höhe: 588 m.ü.M. Härzig.

Wie typische Schweizer deckten wir uns natürlich mit Proviant ein. Ein Wanderer geht nie ohne Proviant in die „Berge“. Aber eine Banane alleine hätte auch gereicht. Wir kamen bereits nach 45 Minuten auf dem Gipfel an. 😂

Und doch spürten wir unserer Beine nach dem Auf- und Abstieg ziemlich. Fast der komplette Weg bestand aus… Treppenstufen, natürlich. What else?

Bei schönem Wetter, so hiess es in diversen Blogartikeln, könne man vom Mount Keelung aus den Taipeh 101 sehen. Bei uns war es bewölkt, daher sahen wir ihn nicht. Aber die Aussicht war auch sonst sehr schön. Vor allem auch bei der Rückkehr ins „Dorf“. Einmalig. Der Aufstieg hatte sich gelohnt.

Als wir am Tag zuvor im Bus nach Jiufen sassen, sahen wir unterwegs einen gewaltigen Tempel. Den wollten wir uns ebenfalls noch anschauen.

Vor dem Gebäude stehend, fanden wir keine Worte mehr. Der Tempel war riiiesig. Irgendwie kam er fast einer Machtdemonstration gleich. Der Tempel war 7-stöckig − also eigentlich 6-stöckig, da der 4. Stock fehlte. In Taiwan ist 4 eine Unglückszahl. Da hier auch jeweils das EG bereits als 1. Stock angegeben wird, waren es tatsächlich nur noch 5 Stöcke. Aber trotzdem − überwältigend.

Wir schlurften etwas verloren durch den Tempel. Dieses Mal konnten wir uns nicht an die anderen Touristen halten. Wir waren die einzigen weit und breit und irrten durch die grossen Räumlichkeiten.

Im obersten Stock trafen wir dann auf einen goldenen Raum. Woow.

Beim Eingang zum Raum hat uns die freundliche Dame mit einem lorbeerähnlichen Blattbüschel die Stirn mit etwas Flüssigem benetzt. Keine Ahnung, was das war oder wozu das gut war. Aber es erinnerte uns an das Weihwasser in der Kirche.

Wir betraten den goldenen Raum mit den drei grossen Altaren und Gottesabbildungen. Beeindruckend. Wir bewegten uns ganz leise und vorsichtig, da wir nicht genau wussten, wie man sich in einem solchen Raum zu verhalten hat. Aber anscheinend haben wir alles richtig gemacht. Die Frau nickte uns jedenfalls aufmunternd zu.

Was ist das für eine schöne Melodie?

Nun etwas ganz anderes: Was würdet ihr vermuten, wenn ihr eine hohe, lieblich-klingende spieluhr-ähnliche Musik auf der Strasse hören würdet? Unser erster Gedanke war: Jeeah, ein Eiswagen. Lass uns ein Glace holen.

Ganz falsch. 😅

Hier in Taiwan wird diese Musik vom „Güsel-Wagen“ gespielt. Ja, richtig gelesen.

Da viele Haushalte in Taiwan mit Kakerlaken zu kämpfen haben, wir der Abfall täglich abtransportiert. Immer abends, ca. zwischen 17.00 und 20.00 Uhr fährt also dieser „Güsel-Wagen“ durch die Strassen und die Leute können ihren Müll in den Wagen schmeissen. Gefolgt vom „Güsel-Wagen Nr.2“, der fürs das Abführen von PET, Karton, Büchsen, Flaschen etc. zuständig ist. Recycling wird hier ernst genommen. Saubere Sache. Wir sind begeistert.

Tee und Dumplings olé

Dumplings hier. Dumplings dort. Wir sind auf den Geschmack gekommen und haben uns in Jiufen praktisch fast nur von diesen leckeren Teigtaschen ernährt. Wo es die besten Dumplings gab, da waren wir uns uneinig. Aber diese feinen Dinger, werden wir uns unterwegs bestimmt noch ein paar Mal gönnen.

Wie richtige Touris sahen wir uns am letzten Abend auch noch das bekannte A-mei Tea House an. Das ist anscheinend das bekannteste Teahouse von Taiwan. Zwar zahlten wir hier für taiwanesische Verhältnisse ein Vermögen für das Tee-und-Dessert-Package. Aber diese Erfahrung war es wirklich wert.

So kamen wir in den Genuss des taiwanesischen Tee-Rituals:

  • Kännchen mit heissem Wasser auswaschen und auch alle anderen Schälchen mit dem Wasser ausspülen.
  • 1/4 des Tees in das Kännchen geben, mit wenig Wasser auffüllen, etwas schwenken und Wasser auskippen. Das Wasser wird in zwei höhere Schälchen gefüllt, kurz geschwenkt und ausgeleert. An diesen zwei Schälchen kann man den Tee-Geschmack riechen. Diese Ritual wird nur das erste Mal durchgeführt.
  • Kännchen mit Teeblättern erneut mit heissem Wasser füllen. 20 Sekunden ziehen lassen und dann in die kleinen Trink-Schälchen füllen.
  • Für das nächste Schälchen Tee, das Kännchen (mit immer noch denselben Teeblättern darin) mit heissem Wasser füllen und 30 Sekunden ziehen lassen.
  • Dieses Spiel kann mit einer „Teeladung“ bis zu 5 Mal wiederholt werden. Dazu werden bei der „Ziehenlassen-Zeit“ immer 10 Sekunden addiert.

Spannend, oder? Und der Tee war wirklich super. Wir sind sonst eigentlich nicht so Grüntee-Trinker. Aber auf diese Weise zubereitet ist der Tee wirklich spitzenmässig. Was für ein toller Abschluss in Jiufen.

Weiter geht’s in den Osten

Nach einem kurzen Ausflug nach Shifen ging es weiter an die Ostküste von Taiwan. Endlich ans Meer. Oder besser: ins Meer. Surfen war angesagt. Warum wir uns wie Könige fühlten und was es mit „Wushih-Wushih“ auf sich hat erfährt ihr im nächsten Beitrag. 😉

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