Nanwan | Wo uns das Sommerfeeling packte

Nanwan | 25. – 27. April 2020

Wir schauen uns unsicher um. Sind wir hier in der 1. Klasse gelandet? Aber nein, in Taiwan gibt es bei den Zügen nur „eine“ Klasse. Doch diese Beinfreiheit war vor allem für Remo total ungewohnt.

Es kam uns fast so vor als sässen wir im „Taiwanesischen Glacier-Express“. Denn die Fahrt war atemberaubend. Zuerst der Küste entlang und dann über Land vom Osten in den Westen. Wir durchquerten grüne Hügel-Landschaften, passierten diverse Tunnels und bekamen schöne Täler zu Gesicht.

Im Westen der Insel führte die Zugfahrt durch diverse Mango-Plantagen. Niedlich wie sie sich um die Mangos kümmern. Jede Mango wurde mit einem Plastiksäckchen umkleidet, damit sie nicht zu früh vom Baum fällt.

In Fanglio angekommen, machten wir uns auf die Suche nach der Bushaltestelle. Denn von dort aus, sollte uns ein Bus in den Süden der Insel bringen. Google gab an, dass die Busfahrt etwa drei Stunden dauern würde. Mal schauen. Wir glauben Mr. Google nicht mehr alles. 😉

Wo ist den diese Haltestelle? Den offiziellen Bus-Stop fanden wir. Aber damit wir in den Süden kommen würden, müssten wir doch eigentlich auf der anderen Strassenseite warten, oder? Dort sahen wir nichts. Ok. Dann folgen wir der Strasse einfach mal. Irgendwo muss diese Haltestelle ja sein.

So „spazierten“ wir also mit den schweren Rucksäcken in der prallen Sonne durch Fangliao. Aber da war nichts. Der Schweiss lief uns schön unangenehm den Rücken runter. Wir schauten uns suchend um. Da kam uns eine nette Frau zur Hilfe. Sie meinte, wir seien viel zu weit gelaufen. Die Haltestelle sei gleich gegenüber des Bus-Stops. Hö? Aber dort sahen wir doch nichts. Also nochmals zurück und siehe da, die Haltestelle. Eigentlich gut sichtbar, mit einem paar Stuhlreihen im Schatten und einer herumwirbelnden „Bus-Koordinatorin“ im Hosenanzug. Wir könnten schwören, dass diese Haltestelle vorher noch nicht da war.

Den Bus hatten wir dann praktisch für uns alleine. So fuhren wir in unserem „grossen Taxi“ Richtung Nanwan. Bereits nach etwas mehr als einer Stunde kamen wir in Nanwan an. Keine Ahnung mit welchem Zwischenfällen Google jeweils rechnet. Wir waren jedenfalls froh, endlich bei unserer neuen Unterkunft angekommen zu sein. Diese lag gleich auf der anderen Strassenseite der Bushaltestelle: Das Miami-Hostel.

Ein junger Mann und eine junge Frau begrüssten uns herzlich. Ein Pärchen? Wir waren uns unsicher. Ansonsten waren keine Gäste zu sehen.

Gleich beim Check-in erhielten wir ein Upgrade. Cool. Anstatt Bergblick hatten wir nun ein Zimmer mit Meerblick. Der Blick ins Gästebuch verriet uns dann auch warum. Wir waren diese Woche wohl die einzigen Gäste. Es sei sehr ruhig momentan. Corona lässt grüssen.

Unser Zimmer war der Hammer. Einfach eingerichtet, aber sehr gross und sauber. Vom Balkon aus konnten wir wirklich direkt aufs Meer sehen. Die Region rund um Nanwan ist wohl wie das „Tessin“ von Taiwan. Warmes, sonniges Wetter, Sommerfeeling und Ferienstimmung.

Auf an den Strand

Direkt vor der „Haustür“ lag ein schöner Strand. Der muss im Sommer oder in der Hauptsaison DER Hotspot für Touristen sein. Die Banana-Boats, Kanus und Segelschiffchen standen jedenfalls bereits bereit.

Wir schlenderten am Strand entlang, um uns den Surfspot von Nanwan anzusehen, der am Ende des Strandes liegt. Bereits beim ersten Blick aufs Meer war uns jedoch klar, dass wir uns das Surfen hier wohl abschminken konnten. Da waren keine Wellen. Von weitem konnten wir aber doch ein paar Surfer im Wasser entdecken.

Wir näherten uns dem Surfspot und setzten uns in den Sand, um das Geschehen zu beobachten. Die Wellen brachen direkt am Strand. Nicht ideal zum Surfen.

Trotzdem kamen immer mehr und mehr Surfer, die sich zu den anderen ins Wasser „setzten“. Gesurft wurde praktisch nicht. Es ging hier wohl eher um das „Sehen-und-Gesehen-werden“, das „Mit-dem-Surfboard-unter-dem-Arm-am-Strand-entlang-laufen“. Das konnten wir uns sparen. Die Lust aufs Surfen war uns vergangen. Und wir vermissten Jinzun.

Wir verweilten uns praktisch den Rest des nachmittags im Meer. Das Wasser war so angenehm. Ein schöner Kontrast zur brätelnden Sonne. Das Tauchen und Plantschen liess uns unsere eingeknickte Laune vergessen.

Ja. Nanwan ist ein Touristenort. Das bekamen wir beim Abendessen nochmals zu spüren. Die Preise sind hier doch deutlich höher. Und Restaurants von „Locals“ mit „Local-Food“ gab es hier nicht.

Also gönnten wir uns wieder einmal eine Pizza. Aber Pizza in Taiwan ist halt einfach nicht ganz dasselbe wie Zuhause. Dafür waren die Hygienemassnahmen schweizerisch pingelig genau. Alles war abgeklebt. Drinnen durfte man nur mit Maske bestellen. Dann musste man das Restaurant verlassen. Nur der Sitzbereich draussen war geöffnet.

Dort trafen wir auf bekannte Gesichter. Eine Familie, die wir im Taroko-Nationalpark bereits einmal getroffen hatten. Sie fielen uns damals auf. Denn es sah so aus, als ob es sich um Eltern handelt, die mit ihrer Tochter und deren Freund unterwegs sind. Bereits im Nationalpark hatten wir Mitleid mit dem Typen, der das ganze Programm mitmachen musste, auch die Familien-Selfies und Paar-Bilder.

Einfach mal druflos fahren

Am nächsten Morgen nahmen wir den Bus nach Kenting. Das Rollermieten in Nanwan war nämlich ohne internationalen Führerschein nicht möglich. Dieser internationale Führerschein nervte uns langsam.

Doch in Kenting habe es ganz viele Vermietungen, meinten die Hostelbesitzer, die würden es nicht so genau nehmen. Und da hatten sie recht. Bereits als wir aus dem Bus ausstiegen und dort noch kurz Sonnencreme einstreichen wollten, erhielten wir das erste Angebot.

Eine ältere Frau näherte sich uns mit ihrem Roller und fragte, ob wir einen Roller mieten möchten. Für TWD 400 pro Tag, also 12 CHF. Wir willigten ein und folgten der alten Frau. Sie fuhr voraus, wir dackelten hinterher. Und siehe da, wir passierten eine Rollervermietung nach der anderen. Und was es da für Roller zu mieten gegeben hätte. 😂

Nach der gefühlt zehnten Rollervermietung bog die Frau in ein unscheinbares Seitengässchen ab und blieb vor einem Hoteleingang stehen.

Die junge Frau dort hinter der Reception schien das Administrative für die Frau zu übernehmen. Sie fragte nur kurz nach Namen und Telefonnummer. Den Führerschein wollte sie gar nicht sehen.

Wir zahlten und konnten losfahren. Mit dem Roller der alten Dame. Sie hatte uns ihren Roller für den Tag vermietet. So läuft das hier also. 😅

Schön, dieser Fahrtwind. Wir fuhren einfach mal druflos und folgten der Strasse, die sich der Küste entland schlängelte. Unterwegs machten wir ab und zu eine Pause, durchwanderten Teile des Kenting Nationalparks und genossen die Zeit unter den schattenspendenden Bäumen. Auch beim südlichsten Punkt der Insel schauten wir vorbei. Das Meer stets an unserer Seite.

Ja, es war tatsächlich so klar, dass wir von weitem sogar das Matterhorn sehen konnten. 😜

Bereits wieder an der Ostküste hielten wir Ausschau nach einem bekannten Surfspot: Jialeshui. Den wollten wir uns unbedingt ansehen und die Wellen „checken“. Hier hatte es Wellen, wenn auch nur kleine. Doch die Konditionen waren nicht gerade toll. Es war zu windig.

Wir entschieden uns, das Surfen im Süden ganz sein zu lassen und uns dafür einen Nachmittag am Strand zu gönnen. In Jialeshui war Baden aufgrund der starken Strömungen jedoch nicht erlaubt. Also ging es über Land zurück an die Westküste.

Dort fanden wir einen paradiesischen Strand, wo wir den Nachmittag verbrachten. Erst im Nachhinein fanden wir heraus, dass dort anscheinend ein Teil des Films „Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger“ gedreht wurde.

Wir gönnten uns noch einen Abendspaziergang durch den Sheding Nature Park. Es war total spannend durch die Wälder und die Mini-Schluchten zu schlendern. Auch wenn unsere Flipflops vielleicht nicht gerade die beste Schuh-Wahl dafür waren.

Zurück im Hostel gönnten wir uns noch ein Bierchen auf unserem Balkon. So lässt es sich leben. Der Süden gefällt uns. Jedoch freuten wir uns bereits auf unser nächstes Reiseziel.

Nächster Halt: Lanyu

Die Insel Lanyu, die westlich von Taiwan liegt, ist anscheinend ein Must-see für alle Naturliebhaber. Sie wurde uns von diversen Leuten empfohlen. Die Insel sei wunderschön und man könne noch das „ursprüngliche“ Leben spüren und entdecken. Das mussten wir sehen.

Also stand uns eine 2.5 stündige Bootsfahrt übers offene Meer bevor. Wie wir die Bootsfahrt (üb)erlebt haben und wie wir unser erstes Schlangen-Erlebnis meisterten, erfahrt ihr im nächsten Beitrag.

3 Kommentare zu „Nanwan | Wo uns das Sommerfeeling packte

  1. Yolanda Sigrist 15. Juni 2020 — 11:56

    Einfach überwältigend! Danke, dass ich dabei sein kann!👍

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    1. Vielen Dank. Schön, dich als treue Leserin dabei zu haben. 😉

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